Die Rolle von Big Tech bei der Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen in den USA

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Die Rolle von Big Tech bei der Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen in den USA

Während die US-Regierung ihre Bemühungen zur Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen intensiviert, ist eine wachsende Abhängigkeit von der Technologie großer Technologieunternehmen erkennbar. Während Palantir große Aufmerksamkeit für seine Arbeit mit der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) erhält, sind Unternehmen wie Microsoft, Amazon und Google auch wichtige Auftragnehmer für ICE und Zoll- und Grenzschutz (CBP) und erhalten insgesamt Hunderte Millionen Dollar an Bundesmitteln.

Das Ausmaß von Technologieverträgen

Vom 1. Januar 2023 bis heute hat ICE etwa 121,9 Millionen US-Dollar für Palantir-Produkte, 94 Millionen US-Dollar für Microsoft, 51 Millionen US-Dollar für Amazon und 921.000 US-Dollar für Google ausgegeben. CBP hat ebenfalls mindestens 81 Millionen US-Dollar für Microsoft, 158 Millionen US-Dollar für Amazon und 7 Millionen US-Dollar für Google ausgegeben. Diese Zahlen stellen Mindestschätzungen dar, da viele Zahlungen diese Unternehmen oder ihre Kernangebote nicht explizit identifizieren.

Der Hauptgrund für diese Verträge sind Cloud-Speicher und Rechenleistung, die den Betrieb beider Behörden unterstützen. Zahlungen werden häufig an bestimmte ICE-Büros weitergeleitet, beispielsweise an Enforcement and Removal Operations (ERO), das Verhaftungen und Abschiebungen durchführt, oder an hochspezialisierte Datenbanken, die Kriminalfälle und Studentenakten verfolgen. Während Direktzahlungen an Technologiegiganten üblich sind, erleichtern Vermittler wie Dell Federal Systems, Four Points Technology und Westwind Computer Products häufig Transaktionen.

Palantir: Datenanalyse im Kern

Die Datenanalysetools von Palantir sind für den Betrieb von ICE und CBP von zentraler Bedeutung. Das Unternehmen entwickelte 2014 das Investigative Case Management (ICM)-System von ICE, das Daten aus mehreren Bundesdatenbanken integriert. Während Palantir seit 2013 nicht mehr direkt mit CBP zusammenarbeitet, verlässt sich ICE seit 2011 auf dessen Produkte.

Das ICM, das vom DHS als „zentrales Fallmanagement-Tool der Strafverfolgungsbehörden“ der ICE bezeichnet wird, speichert Straf- und Zivilermittlungsakten, erleichtert den Datenaustausch mit dem CBP und führt Ermittlungsforschung durch. Es wird von etwa 10.000 Menschen weltweit genutzt, darunter auch von Agenten der Homeland Security Investigations (HSI).

Zu den jüngsten Entwicklungen gehören das Immigration Lifecycle Operating System (ImmigrationOS), das bei Abschiebungsentscheidungen helfen soll, und die ELITE-App (Enhanced Lead Identification and Targeting Enforcement), die mithilfe von KI potenzielle Abschiebeziele anhand von Adressen und anderen Daten identifiziert. ICE nutzt außerdem von Palantir entwickelte Tools, um eingehende Tipps zu kategorisieren und nicht-englische Einsendungen zu übersetzen.

Microsoft: Cloud-Infrastruktur und Überwachung

Sowohl ICE als auch CBP nutzen den Azure-Cloudspeicher von Microsoft und Microsoft 365. ICE nutzt Azure zur Unterstützung der IT-Systeme innerhalb des Chief Information Officer (OCIO) und des Büros des Principal Legal Advisor, das Abschiebefälle bearbeitet. Azure unterstützt auch technische Durchsetzungsmaßnahmen, einschließlich elektronischer Überwachungsgeräte, die bei strafrechtlichen Ermittlungen eingesetzt werden.

ICE erwirbt über Microsoft auch Dynamics 365, eine KI-gestützte Tool-Suite, unter dem Titel „Scalable Ways to Implement Flexible Tasks (SWIFT)“. Dies scheint verschiedene Aufgaben in der gesamten Agentur zu automatisieren. Lizenzen werden für Enforcement and Removal Operations (ERO) und die Cyber ​​and Operational Technology Unit (COTU) erworben, die Ermittlungen zu Cyberkriminalität und den Datenaustausch mit anderen Strafverfolgungsbehörden überwacht.

Amazon: Cloud-Dienste und Datenaustausch

GovCloud von Amazon bietet sicheren Cloud-Speicher für den ICE-Betrieb. Die Behörde hostet kritische Infrastrukturen innerhalb der ICE Cloud, darunter den Digital Records Manager, das Data Warehouse und den Law Enforcement Information Sharing Service (LEIS Service), der den Datenaustausch mit anderen Strafverfolgungsbehörden erleichtert.

ICE Cloud hostet auch den PRIME Interface Hub und stellt eine Verbindung zur Enforcement Integrated Database (mit Aufzeichnungen über Verhaftungen und Abschiebungen) und zum Treasury Enforcement Communications System (TECS) her, der CBP-Plattform für den Zugriff auf Informationen über alle Personen, die in die USA einreisen. ICE nutzt Amazon auch für sein automatisiertes Informationsmanagementsystem für das Student and Exchange Visitor Program.

Die umfassenderen Implikationen

Die tiefe Integration dieser Technologieunternehmen in die US-Einwanderungsbehörden wirft erhebliche ethische und datenschutzrechtliche Bedenken auf. Kritiker argumentieren, dass diese Instrumente eine Massenüberwachung ermöglichen, das Vertrauen in die Regierung untergraben und gefährdete Bevölkerungsgruppen unverhältnismäßig stark ins Visier nehmen. Der kontinuierliche Ausbau der Möglichkeiten zur Datenerfassung und -analyse, gepaart mit eingeschränkter Kontrolle, stellt eine wachsende Bedrohung für die bürgerlichen Freiheiten dar.

Diese Verträge zeigen die entscheidende Rolle, die Big Tech bei der Ermöglichung einer aggressiven Einwanderungspolitik spielt. Ohne diese Dienste wäre der derzeitige Umfang und die Effizienz der Durchsetzung nicht nachhaltig.