Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Welt auf Privateigentum und Marktkräften basiert. Das ist Kapitalismus. Es wird auch als System des freien Marktes oder des freien Unternehmertums bezeichnet und definiert eine Wirtschaftslandschaft, in der die meisten Produktionsmittel nicht dem Staat, sondern dem Einzelnen gehören. Einkommen und Produktion werden durch die unsichtbare Hand des Marktes und nicht durch zentrale Planung verteilt.
Die Abkehr vom Merkantilismus erfolgte nicht plötzlich. Es dauerte Jahrhunderte, bis es reifte. Die Reformation spielte hier eine stille, aber wichtige Rolle. Durch die Heiligung harter Arbeit und Genügsamkeit wurde ein kultureller Boden geschaffen, auf dem Sparen und Reinvestieren moralisch sinnvoll waren. Dann kam die Industrielle Revolution. Die englische Textilindustrie im 16. bis 18. Jahrhundert wurde zum Motor.
Frühere Systeme hatten einen anderen Ansatz für den Überschuss. Wenn die Produktion den Konsum überstieg, floss der Reichtum oft in Paläste oder Kathedralen. Es handelte sich um unproduktive Vermögenswerte. Sie haben die Kapazität nicht erweitert. Der Kapitalismus hat die Mathematik verändert. Überschüsse wurden in die Produktionskapazität reinvestiert. Fabriken wuchsen. Technologie fortgeschritten. Der Zyklus beschleunigte sich.
Aber Märkte existieren nicht im luftleeren Raum. Sie brauchen Regeln. Die starken Nationalstaaten der merkantilistischen Ära stellten die Infrastruktur bereit. Einheitliche Währungssysteme. Gesetzliche Vorschriften. Ohne diese gesellschaftlichen Bedingungen hätte das System der freien Wirtschaft kein stabiles Fundament gehabt, auf dem es sich hätte aufbauen können.
Adam Smith hat diese Ideologie in „The Wealth of Nations“ (1776) kodifiziert. Seine Theorien über freie Märkte fanden im Laufe des 19. Jahrhunderts weite Verbreitung. Lange Zeit herrschte die Vorstellung vor, dass weniger Regierung mehr Effizienz bedeute.
Dieser Glaube stieß im 20. Jahrhundert an seine Grenzen. Die Weltwirtschaftskrise hat gezeigt, dass die Laissez-faire-Ökonomie spektakulär scheitern kann. Die meisten Länder haben ihre Ansätze angepasst und Vorschriften und Sicherheitsnetze eingeführt, um einen völligen Zusammenbruch zu verhindern.
Dennoch ist der Kapitalismus nicht gestorben. Es hat sich weiterentwickelt.
Der Niedergang der staatlichen Planwirtschaften in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion beseitigte ihren wichtigsten ideologischen Rivalen. In der Zwischenzeit hat China Elemente der Prinzipien des freien Marktes übernommen und gleichzeitig die staatliche Kontrolle aufrechterhalten. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts konnte kein anderes System die gleiche globale Dominanz für sich beanspruchen.
Es ist nicht unproblematisch. Es ist nicht perfekt. Aber es bleibt die Standardeinstellung. Die Frage ist nicht, ob es weiterhin dominieren wird. Auf diese Weise bewältigen wir die Spannungen, die dadurch entstehen.

























